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44 Jahre nach ihrem Tod: Portrait von Picassos Geliebter versteigert

KUNST

Die Versteigerung eines Portraits von Marie-Thérèse Walter hat Erinnerungen an die langjährige Geliebte des 1973 in Mougins an der Côte d’Azur gestorbenen Pablo Picassos wachgerufen, die sich am 20. Oktober 1977 in Juan-les-Pins das Leben nahm. Das Gemälde "Sitzende Frau am Fenster" erzielte vergangenen Woche bei einer Auktion von Christie’s in New York einen Preis von 103 Millionen Dollar (etwa 85 Millionen Euro). Damit wurde die 100-Millionen-Marke für einen Picasso erstmals seit 2019 wieder durchbrochen, was laut Christie’s auf eine Erholung des Kunstmarkts von der Corona-Pandemie hindeutet.



Marie-Thérèse Walter war dem 45-jährigen Picasso im Januar 1927 erstmals vor den Pariser Galeries Lafayette begegnet. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wesen und Schönheit des 17-jährigen Mädchens, das noch nie von ihm gehört hatte, verzauberten den mit der ukrainischen Ballerina Olga Chochlowa verheirateten Maler so sehr, dass er sie zu seiner Muse erkor und später zu seiner heimlichen Geliebten machte.

Offen gelebt wurde die Beziehung erst, als Walter von Picasso schwanger wurde. Die gemeinsame Tochter María de la Concepción, genannt Maya, kam 1935 zur Welt. Die Ehe mit Chochlowa zerbrach, wurde aber zeitlebens nicht geschieden.

1937 lernte Picasso dann seine nächste Flamme kennen, Dora Maar, mit der er von nun an fremdging. Die Rivalität zwischen Walter und Maar empfand Picasso als schmeichelhaft, weil sie sein männliches Ego bestätigten. Marie-Thérèse Walter hat die Trennung nie verwunden: 40 Jahre später erhängte sich die vereinsamte Frau in Juan-les-Pins.

Das nun bei einem 20-minütigen Bieterwettstreit in den USA versteigerte Gemälde stammte aus Privatbesitz. „Sitzende Frau am Fenster“ gehört zu einer Serie, in der Picasso seine Geliebte einst verewigt hatte. Es war erst 2013 für umgerechnet 33,26 Millionen Euro von Sotheby’s in London versteigert worden. Christie’s zufolge gehört das Gemälde nunmehr zu den fünf teuersten jemals unter den Hammer gekommenen Picassos.

Der Maler hatte das Jahr 1932, in dem das monumentale Werk entstand, „Wunderjahr“ genannt: Nach einer Analyse des Musée Pablo Picasso und der Tate Modern entstanden während der zwölf Monate einige der berühmtesten Gemälde Picassos. Allein zwischen dem 2. Januar und dem 14. März 1932 malte er 25 Bilder. In diesen Werken schimmert die Erotik jener Tage durch. Viele der fließenden Formen und Ausstülpungen erinnern an Phallus und Vagina.

Rolf Liffers

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