Suche
  • RivieraZeit editorial

Alt und älter: Schildkröten haben im Var ihr eigenes Dorf

PROVENCE


Sie sind gemächlich unterwegs, gut gepanzert, können sehr alt werden und sind augenscheinlich schon seit jeher im Süden Frankreichs zuhause: Schildkröten. Ein besonders altes und großes Exemplar bekommt nun ein neues Zuhause im Schildkrötendorf in Carnoules im Departement Var – es ist allerdings tot, und das schon seit fünf Millionen Jahren. Mit einem Meter Länge ist es das größte Schildkrötenfossil, das jemals in Frankreich gefunden wurde.


In Südfrankreich verbreitet ist vor allem die Griechische Landschildkröte mit ihrer Unterart Testudo hermanni hermanni. Foto: Shutterstock

Die Uralt-Alligatorschildkröte, die in der Nähe von Barjols im Var entdeckt wurde, ist Teil der paläontologischen Ausstellung „Tortues de pierre“. Entwickelt wurde sie von verschiedenen Museen und Spezialisten. Schildkröten sind eine sehr alte Tierart, es gab sie schon vor den Dinosauriern. Zu Lebzeiten der ausgestellten Arten war das Klima in Südfrankreich noch tropisch.


Das Schildkrötendorf in Carnoules hat allerdings noch mehr zu bieten: Hauptsächlich leben hier die lebendigen Artgenossen ihrer versteinerten Vorfahren. Rund 50 Arten aus aller Welt sind auf zwei Hektar Natur zuhause, egal ob an Land oder im Wasser. Den Großteil macht die Griechische Landschildkröte aus, die im Var auch wildlebend beheimatet ist.


Das Zentrum wurde ursprünglich 1988 unweit entfernt in Gonfaron mit dem Ziel geschaffen, einen Ort der Information für Jung und Alt, des Schutzes und der Erforschung der Schildkröten zu schaffen. So gehört auch eine Kranken- und Pflegestation dazu, in der verletzt oder schwach aufgefundene Tiere behandelt werden. Nachzuchten der heimischen Arten werden wieder ausgewildert. 2017 ist das Zentrum nach Carnoules umgezogen.


Hermanns-Schildkröte lebt noch heute wild vor allem im Var


Besonders das Departement Var bietet den gemächlichen Tieren auch heute noch ein Zuhause. In Südfrankreich verbreitet ist vor allem die Griechische Landschildkröte mit ihrer Unterart Testudo hermanni hermanni, die nach dem Wissenschaftler Johann Hermann aus dem 18. Jahrhundert benannt ist, aus dessen Sammlung das Typusexemplar stammt. Beheimatet ist die Art außerdem in Ostspanien, auf den Balearen, Korsika, Sardinien und in Mittelitalien.


Griechische Landschildkröten leben an Land, ernähren sich von Pflanzen und sind tagaktiv. Sie erreichen ein dem Menschen vergleichbares Alter. Die Reptilien sind klein bis mittelgroß und haben einen gelben bis olivfarbenen gewölbten Panzer mit individueller dunkler Fleckung.


Leider ist der Wildtierbestand mittlerweile stark gefährdet, da ihre Lebensräume zunehmend zerstört werden und sie sich als Haustiere großer Beliebtheit erfreuen. Im Gespräch mit France 3 Provence-Alpes-Côte d'Azur sagt Stéphane Gagno, Zoologe und seit 1999 im Schildkrötendorf tätig: „Sie haben die Zeit überdauert, dem Massenaussterben widerstanden, aber werden sie auch dem Menschen trotzen können?“


Schildkrötendorf wegen Corona vorübergehend geschlossen


Wer die Schildkröten in Carnoules besuchen möchte, wird sich leider noch ein wenig gedulden müssen. Auch das Schildkrötendorf hat aufgrund der allgemeinen Beschränkungen im Moment geschlossen, plant aber, sobald wie möglich wieder seine Pforten zu öffnen. Bis dahin werden die gerade aus dem Winterschlaf erwachten Tiere noch mit ihren Pflegerinnen und Pflegern als einzige Gäste Vorlieb nehmen müssen.


Svetlana Leitz


57 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen