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BDs in Aix – ein Festival für Frankreichs so besondere Bücher

KULTUR


Begegnungen mit der „neunten Kunst“ verspricht das BD-Festival „Rencontres du 9ème Art“, das im Mai und Juni in Aix-en-Provence sowie online stattfindet. Bandes Dessinées (BDs) gelten in Frankreich als „9e Art“ – nach Architektur, Malerei, Literatur oder Film – und sind damit ein anerkanntes Kunst- und Kulturformat.



Die BD ist für Frankreich nicht genau das, was der Comic im deutschen Sprachgebrauch ist. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich und Belgien bekannt, startete der Siegeszug der BDs in frankophonen Ländern nach dem Krieg bis zu ihrer Blütezeit in den 1960er- bis 80er-Jahren. Die aufwändig gezeichneten und seriös getexteten „Bilderbücher“ wurden weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und salonfähig.


Eigenständiges Literaturgenre

Heute werden in Frankreich BDs als ebenbürtiges Literaturgenre neben Romanen oder Sachbüchern in Buchläden gehandelt. Sie machen mit mehr als 5000 Veröffentlichungen im Jahr mehr als ein Viertel des französischen Buchmarktes aus, und mehr als 15 Prozent der Franzosen und Französinnen aller Altersgruppen kaufen sie. Im BD werden vielfach auch ernste Themen angesprochen, Sozialkritik betrieben oder Klassiker neu verarbeitet.


In Deutschland dagegen gilt der Comic mit Reihen wie dem „Lustigen Taschenbuch“ eher als humorvolle und seichte Lektüre für Jugendliche. Wer tiefer in die Comicwelt eintauchen möchte, wendet sich an ein Comicgeschäft – und vielfach dem BD oder dem japanischen Manga zu.


„Rencontres du 9ème Art“ in Aix


In Aix-en-Provence wird die frankophone Comic-Kultur regelmäßig mit einem eigenen Festival gefeiert. Doch auch die „Rencontres du 9ème Art“ müssen sich diesmal dem landesweiten Lockdown mitsamt Ausgangsbeschränkungen und Sperrstunde anpassen – und das tun sie auf kreative Art und Weise vor Ort und online.


Alle Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt können sich auf zwei Monate voller interessanter und inspirierender Spaziergänge freuen, denn die Stadt nutzt Litfasssäulen und Werbeflächen, um abwechselnd die Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Stéphane Trapier, Botanike komiks und Marco Toxico unter freiem Himmel auszustellen.


Zudem hat das Tourismusbüro eine Galerie eingerichtet. In einem Kiosk liegen für die Lektüre zu Hause Sonderausgaben und Kartenspiele kostenlos aus, die durch die Zusammenarbeit von rund 40 Künstlern und Künstlerinnen entstanden. Die Hefte können gegen einen geringen Betrag außerdem online erstanden werden.


Online-Ideenlabor


Doch auch wer es nicht in die Stadt schafft, kommt nicht zu kurz. In einem Online-Ideenlabor geht das Festival einen Schritt weiter – mit Hintergrundinformationen zu Schaffensprozessen und neuen Trends und der Möglichkeit, diese aktiv zu begleiten. Das Format „Autoren zu Hause“ wagt einen Blick hinter die Kulissen und ins tägliche Leben und Arbeiten der Künstler und Künstlerinnen zu Hause durch von ihnen selbst ausgesuchte Bilder.


Ein besonderes Augenmerk gilt dem Künstlervater der Stadt Aix-en-Provence und Mitbegründer der Moderne: Paul Cézanne. In Auseinandersetzung mit der Person des Malers, seinem Werk und seinem Erbe entsteht auch heute noch neue Kunst – und zwar in Form des BDs. Typisch französisch eben.


Svetlana Leitz


www.bd-aix.com


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