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Bei SAP rollt man elektrisch – auch dank der Sonne der Côte d’Azur

Aktualisiert: 25. Sept. 2021

Die SAP Labs France festigen ihre Stellung als Vorreiter in Sachen E-Mobilität. Die rund 300 Fahrzeuge umfassende Firmenwagenflotte der Software-Ingenieure in Sophia-Antipolis, Caen und Paris besteht fast nur noch aus Elektroautos. Nun wird am Standort an der Côte d’Azur auch noch ein respektabler Teil des benötigten Stroms selbst produziert; eine eigens konzipierte App regelt Angebot und Nachfrage beim Laden. Auch externe E-Autofahrer können auf dem Firmengelände in Mougins „auftanken“. Allerdings tun sich Nachahmer des umfassenden Öko-Konzepts regional wie global noch schwer.


Von Aila Stöckmann


Haben gestern die neue Lade-Infrastruktur auf dem SAP-Firmengelände in Mougins eingeweiht: Hanno Klausmeier (Präsident der SAP Labs France), Anne Frackowiak-Jacobs (Unterpräfektin im Departement Alpes-Maritimes), Jean-François Royer (CEO Rising Sud/Region PACA) und Olena Kushakovska (Geschäftsführerin SAP Labs France) (v.l.). Foto: AS

Seit sieben Jahren wird am Standort Mougins gezielt daraufhin gearbeitet, die Flotte der Firmenwagen zur reinen E-Flotte umzuwandeln. Hanno Klausmeier, Präsident der SAP Labs France mit Standort im südfranzösischen Technologiepark Sophia-Antipolis, habe damals seine Glaskugel befragt, sagt er – wie im Mittelalter die Hexen und Zauberer oder wie vor fast 50 Jahren fünf junge IBM-Ingenieure, die an die Zukunft einer Standard-Software wie aus dem Kaufhaus glaubten, von ihren Chefs nicht erhört wurden und deshalb ihre eigene Firma gründeten: SAP.


„Man muss in die Zukunft schauen. Das macht den Unterschied.“ Hanno Klausmeier, Präsident der SAP Labs France

Klausmeier war schon 2014 überzeugt von der Zukunft von E-Fahrzeugen im Individualverkehr und pusht seither mit seinem Team die Nutzung von emissionsfreien Firmenwagen. Seit 2019 dürfen die Mitarbeiter der SAP Labs France, die standardmäßig in den Genuss eines unternehmensfinanzierten Privatautos kommen, ausschließlich E-Autos wählen. Rund um das Firmengebäude in Mougins parkt heute eine bunte Auswahl fast sämtlicher Elektrowagen, die auf dem Markt sind. 50 Ladestellen stehen den Mitarbeitern und ein Teil davon neuerdings auch firmenfremden E-Fahrzeug-Fahrern im größten Ladepark des Departements Alpes-Maritimes (inklusive extrem leistungsstarken Schnellladegeräten) unter der Woche zum Nachtanken zur Verfügung.


Nicht sofort so überzeugt vom elektrischen Rollen wie ihr Chef waren anfangs die Mitarbeiter. Das Laden eines Elektroautos muss geplant werden, Langstrecken verlängern sich durch Ladestopps. „Aber die Akzeptanz ist deutlich höher geworden“, so Klausmeier. „Natürlich gibt es noch ein paar Neinsager, aber sie werden immer weniger. Ich würde wagen zu behaupten, dass 80 Prozent der Mitarbeiter voll von der E-Mobilität überzeugt sind.“ Die Zahlen jedenfalls geben ihm Recht: 93 Prozent der Firmenwagennutzer bei den SAP Labs France fahren heute Tesla, Zoe und Co.


Fotos: AS


Einen Teil des Stroms, den die Firma verbrauchet, produziert das Unternehmen konsequenterweise selbst. Das Dach des sonnenverwöhnten Firmengebäudes in Sophia-Antipolis zieren seit mehreren Jahren Solarpaneele, neu sind zwei Fahrzeugunterstände mit Solardächern. Die eingefangene Sonnenenergie deckt heute den gesamten Strombedarf des Gebäudes inklusive Servern, Computern und anderer Technik. Für die Ladestationen der E-Fahrzeuge wird Strom von extern hinzugekauft.


Gestern wurden am Standort Mougins die neuen Fahrzeugunterstände sowie zwei riesige Batterien als Stromspeicher offiziell eingeweiht. Neben einem Vertreter der Region Sud/Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) war auch die Unterpräfektin des Departements Alpes-Maritimes unter den Gästen. Der RIVIERAZEIT sagte Anne Frackowiak-Jacobs: „Die Initiative der SAP Labs France entsprich exakt dem, was die Regierung erwartet und fördert. Wir unterstützen solche Entwicklungen auch finanziell und zählen darauf, dass solche Beispiele Schule machen.“


Expertise wird weitergegeben


Bislang tun sich andere Firmen in Sophia-Antipolis, aber auch andere SAP-Standorte weltweit mit dem Kopieren des südfranzösischen Beispiels schwer. Zwar kämen viele Besucher, um sich das Modell Mougins vor Ort erklären zu lassen, so Hanno Klausmeier, aber mit derselben Konsequenz nachgeahmt werde bislang nirgends.


Um die Ladeinfrastruktur zu verwalten und optimal zu nutzen, hat ein Team der SAP Labs eigens eine Software mit App fürs Smartphone entwickelt. „Open E-Mobilty“ zeigt unter anderem an, wenn ein Wagen „vollgetankt“ ist, damit es entkoppelt werden und Platz machen kann für den nächsten Nutzer.


„Wenn morgen 20 Millionen Fahrzeuge in Frankreich Strom laden wollen, muss alles zusammenspielen“, erklärt der Projektleiter von Open E-Mobility Gérald Seiler. Er und sein Team tüfteln in der „Technik-Garage“ der Firma am reibungslosen Funktionieren einer saubereren Zukunft – vor Ort und weit darüber hinaus, so hofft man bei den SAP Labs. Ob mit oder ohne Glaskugel, blieb ein Geheimnis…

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