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Festival de Cannes: Deutschsprachige Filme nur in der Nebenreihe

Mit vollen Rängen, großen Namen und einer vielversprechenden Film-Auswahl aus gleich zwei Jahren wollen die 74. Filmfestspiele in Cannes der Pandemie trotzen. Zwei Monate verspätet zwar, aber sie gehen über die Bühne: Vom 6. bis 17. Juli finden sich Filmschaffende, Stars und Filmbegeisterte auf der Croisette ein. Festivalleiter Pierre Lescure und Programmdirektor Thierry Frémaux haben die offizielle Programmauswahl bekanntgegeben. Unter den nominierten Filmen befindet sich kein Werk aus Deutschland, dafür in der Nebenreihe „Un certain regard“ aber gleich zwei aus Österreich.


Am 6. Juli wird in Cannes endlich wieder der rote Teppich ausgerollt. Wie viele Stars darüber schreiten werden? Die Festivalleitung hofft auf eine fast normale Besetzung... Foto: Festival de Cannes

Etwas chaotisch wirkte die Präsentation der beiden Festival-Chefs heute Vormittag bei der Pressekonferenz, die zuletzt noch eine Woche nach hinten verschoben wurde, mussten sie doch wiederholt an Namen und Titel erinnert werden. Man kann es ihnen allerdings schwerlich zum Vorwurf machen, denn die Organisation der diesjährigen Auflage ist eine gewaltige Herausforderung – mit neuer Kategorie, neuem Veranstaltungsmonat und umfangreichem Hygiene- und Sicherheitskonzept.


Nachdem das Festival im letzten Jahr coronabedingt ausgefallen war, mussten die Beiträge von gleich zwei Jahren gesichtet werde, 2300 Titel waren es insgesamt. Zum Hauptwettbewerb und der Nebenkategorie „Un Certain Regard“ kommt die Reihe „Cannes Premiere“ neu hinzu. Als eines der ersten Festivals seit Ausbruch der Pandemie peilt Cannes einen regulären Betrieb mit voller Auslastung an, nachdem am 30. Juni in Frankreich fast alle Anti-Corona-Maßnahmen aufgehoben werden sollen. Trotzdem sei „viel Vorsicht“ angesagt, wie Frémaux immer wieder betont, und „Küsschen auf dem roten Teppich“ müssen auch noch warten. Eintritt zum Festival wird es nur für Geimpfte, Genesene und Getestete geben, ein nahes Testzentrum ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet.


Spike Lee ist in diesem Jahr endlich Jury-Präsident - wie schon für die Ausgabe 2020 geplant, die wegen der Pandemie abgesagt worden war. Foto: DR

Wer am 17. Juli mit einer Goldenen Palme nach Hause fahren darf, entscheidet unter anderem Spike Lee, der die diesjährige Jury leiten wird – wie schon für 2020 geplant. Als erster afroamerikanische Präsident eines der großen Filmfestivals wirkte der 64-jährige Drehbuchautor, Schauspieler, Herausgeber und Produzent an vielen Filmen mit, die ethnisch bedingte Diskriminierungen thematisieren. Die 58-jährige US-amerikanische Schauspielern Jodie Foster wird Ehrengast der Eröffnungsfeier sein und eine Ehren-Palme für ihre Karriere erhalten.


Die Auswahl


24 Filme sind für den Hauptwettbewerb nominiert, aus Frankreich schafften es gleich sieben Werke in die begehrte Kategorie sowie ein weiterer Film in die Nebenreihe „Un certain regard“. Traurig schneidet Deutschland ab: Kein einziger Film schaffte es in die Vorauswahl. Mit „Moneyboys“ und „Große Freiheit“ sind allerdings zwei Werke aus Österreich in der geschätzten Nebenreihe „Un certain regard“ am Start.

Die französische Schauspielerin Léa Seydoux spielt in drei der nominierten Filme mit. Foto: Georges Biard, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Mit Regisseuren wie Jacques Audiard, Apichatpong Weerasethakul und Nanni Moretti sind drei ehemalige Gewinner der Goldenen Palme dabei, mit Asghar Farhadi ein doppelter Oscar-Preisträger, und Nadav Lapid und Ildikó Enyedi konnten mit ihren Werken schon bei der Berlinale überzeugen. Inoffizielle Königin von Cannes, das ist schon jetzt klar, wird in diesem Jahr Schauspielerin Léa Seydoux, die mit Wes Andersons „French Dispatch“, Ildikó Enyedis „The Story of My Wife“ und Desplechins „Tromperie“ in gleich drei nominierten Filmen zu sehen ist.


Ebenfalls im Hauptwettbewerb ist der Historienfilm „Bendetta“ des Niederländers Paul Verhoeven über eine lesbische Nonne im Mittelalter, mit Virginie Efira in der Hauptrolle. Unter den berühmten Namen befinden sich überdies Sean Penn, der seinen Film „Flag Day“ im Hauptwettbewerb unterbringen konnte, Charlotte Gainsbourg, deren Streifen „Jane par Charlotte“ über ihre Mutter Jane Birkin in der neuen Reihe „Cannes Premiere“ gezeigt wird, sowie die Regisseure Oliver Stone, Hong Sang-Soo und Arnaud Desplechin (alle in „Cannes Premiere“).


Bereits bekannt war, dass Leos Carax‘ dramatisches Musical „Anette“ mit Adam Driver und Marion Cotillard als Eröffnungsfilm gezeigt wird. Und Wes Andersons französisch-amerikanische Produktion „The French Dispatch“ wird mit seinem Ensemble aus Timothée Chalamet, Bill Murray, Frances McDormand und Tilda Swinton wohl die meisten internationalen Stars auf den roten Teppich der Croisette spülen.


SL



Das Programm im Überblick:


Hauptwettbewerb:

Annette, Leos Carax (Frankreich, Eröffnungsfilm)

The Story of My Wife, Ildikó Enyedi (Ungarn)

Benedetta, Paul Verhoeven (Niederlande)

Bergman Island, Mia-Hansen-Løve (Frankreich)

Drive My Car, Rysuke Hamaguchi (Japan)

Ha’Berech (Ahed’s Knee), Nadav Lapid (Israel)

Casablanca Beats, Nabil Ayouch (Marokko)

Compartment No. 6, Juho Kuosmanen (Finnland)

The Worst Person in the World, Joachim Trier (Norwegen)

La Fracture, Catherine Corsini (Frankreich)

The Restless, Joachim Lafosse (Belgien)

Les olympiades, Jacques Audiard (Frankreich)

Lingui, Mahamat-Saleh Haroun (Tschad)

Memoria, Apichatpong Weerasethakul (Thailand)

Nitram, Justin Kurzel (Australien)

Un demi-clair matin, Bruno Dumont (Frankreich)

Petrov’s Flu, Kirill Serebrennikov (Russland)

Red Rocket, Sean Baker (USA)

Flag Day, Sean Penn (USA)

The French Dispatch, Wes Anderson (USA)

Titane, Julia Ducournau (Frankreich)

Tre Piani, Nanni Moretti (Italien)

Tour S’Est Bien Passe, François Ozon (Frankreich)

A Heros, Asghar Farhadi (Iran)


Un Certain Regard:

Moneyboys, C.B Yi (Österreich)

Blue Bayou, Justin Chon (USA)

Freda, Gessica Geneus (Haiti)

Delo (House Arrest), Alexey German Jr. (Russland)

Bonne Mère, Hafsia Herzi (Frankreich)

Noche de Fuego, Tatiana Huezo (Mexiko)

Lamb, Valdimar Johansson (Island)

Commitment Hasan, Hasan Semih Kaplanoglu (Türkei)

After Yang, Kogonada (USA)

Let There Be Morning, Eran Kolirin (Israel)

Unclenching the Fists, Kira Kovalenko (Russland)

Women Do Cry, Mina Mileva, Vesela Kazakova (Bulgarien)

Rehana Maryam Noor, Abdullah Mohammad Saad (Bangladesch)

Große Freiheit, Sebastian Meise (Österreich)

La Civil, Teodora Ana Mihai (Rumänien/Belgien)