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Heidi Stroh – ein Leben in mehreren Welten

Anlässlich ihres runden Geburtstags treffen wir uns dort, wo sie viele große Erfolge als Sängerin feierte: im Diana Grand Hotel im ligurischen Alassio. Das genannte Alter von 80 mag ich nicht glauben, als diese schöne vitale Frau vor mir sitzt.


Von Susanne Altweger


Heidi Stroh beim RZ-Gespräch in Ligurien. Foto: Susanne Altweger

Lebendig und emotional, freudig, aber manchmal auch enttäuscht erzählt Heidi Stroh über ihre Karriere als Sängerin und Schauspielerin. Persönliche Eindrücke gewann ich aus Konzertmitschnitten – und war beeindruckt. Hochprofessionelle Darstellung einer Sängerin mit einer wunderbaren warmen Stimme. Jede Geste, jede Bewegung sitzt. Die große Blonde mit den raspelkurzen Haaren überzeugt mit einer Stimme und Intonation, die sowohl an Zarah Leander, Marlene Dietrich, Mina oder Margot Werner erinnert.


Ihr ganzes Leben pendelte sie zwischen Italien und Deutschland. Bereits als Kind stand sie als Ballett-Elevin auf der Bühne, bevor sie dann in Rom Gesangsunterricht nahm. Dort trat sie in den Sechziger-Jahren als Soubrette im berühmten Teatro Sistina auf.


Eine Stimme wie Samt und Eis


In Deutschland startet sie als Sängerin erst in den Achtzigern. Der bekannte Journalist Sammy Drechsel hatte sie an die kleine Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft geholt. Sie muss wie eine Bombe eingeschlagen sein, denn die Kritiken überschlugen sich. „Eine Stimme wie Samt und Eis“ attestierte man ihr.


Und selbst der legendäre Michael Graeter, Klatschkolumnist der Münchner Abendzeitung, widmete ihr eine Spalte. Es war eine Zeit, in der es noch nicht als sexistisch galt, wenn man die Maße einer schönen Frau in Klammern hinter den Namen setzte.


Ihren Look mit den platinblonden kurzen Haaren hat sie in den Siebziger-Jahren erfunden und sich damit selbst ein Branding verschafft. „Brigitte Nielsen hat bei mir geklaut“, meint sie lachend.


Die Welt der divenhaften großen Auftritte bei Galas und in Konzertsälen wie etwa der Münchner Philharmonie ist eine, in der sie sich sicher bewegte. Begleitet vom berühmten Orchester Max Greger konnte sie mühelos neben Showgrößen wie Udo Jürgens bestehen.


Fast Bond-Girl


Heidi Stroh verstand sich immer zugleich auch als Schauspielerin. Die Karrieren liefen parallel. In ihrer frühen römischen Zeit jobbte sie auch als Model. Ihre Bikini-Fotos waren so aufregend, dass eine Anfrage für James Bond („Feuerball“) erfolgte. Sie hatte das Pech, gerade nicht verfügbar zu sein; es hätte die ganz große Karriere werden können.


Mit Stolz auf ihre Lebensleistung, aber auch mit leisem Bedauern, das in ihrer Stimme mitschwingt, erzählt sie von den verpassten Chancen. Zum Beispiel, als Fellini sie für seinen Film „Stadt der Frauen“ engagierte. Die Proben zogen sich hin und schweren Herzens musste sie abreisen, da sie bei den Hilton-Hotels als Sängerin unter Vertrag stand. Sie entschied sich, geradlinig, wie sie bis heute ist, für Vertragstreue. Und Fellini schickte einen Brief tiefen Bedauerns, den sie mir zeigt.


Ihre Karriere weist beeindruckende Stationen auf. In Rom drehte sie 1965 ihren ersten Spielfilm neben Vittorio Gassman und wurde nach ihrer Rückkehr nach Deutschland vom sogenannten „Autorenkino“ entdeckt. Edgar Reitz gab ihr eine Hauptrolle in seinem Film „Mahlzeiten“, der den Preis für den besten Erstlingsfilm bei der Biennale in Venedig erhielt.


Über Nacht berühmt


So wurde sie über Nacht berühmt und landete in einem wahrhaft anderen Genre. Lebhaft schildert sie, wie einschüchternd sie als junges Mädchen die intellektuellen Autorenfilmer Alexander Kluge und Edgar Reitz empfunden hat.


Mit der Titelrolle im Film „Der Fall Lena Christ“ von Hans W. Geissendörfer erlebte sie einen weiteren Durchbruch. Die Kritiker der Hörzu schrieben: „Heidi Stroh gelang es bei den Zuschauern Mitleid und Furcht auszulösen.“ Sie spielte sowohl in der Fernsehserie „Der Kommissar“ mit Erich Ode als auch im „Tatort“ mit Sieghardt Rupp: „Kressin und die Frau des Malers“. Als Dostojewskis Gattin überzeugte sie im Fernsehfilm „Psychogramm eines Spielers“ an der Seite von Paul Albert Krumm.


Vielleicht war gerade ihre beeindruckende Vielseitigkeit ihr Problem. Die Besetzungsbüros lieben es, die Menschen in Schubladen zu stecken. Nach eigener Aussage passte sie in keine. Sie wechselte mühelos von ernst und anspruchsvoll zu Unterhaltung und wieder zurück.


Ihre enorme Bühnenpräsenz konnte sie in den Achtziger-Jahren wieder im Theater unter Beweis stellen. Bernd Spier, der bekannteste Boulevardregisseur seiner Zeit, holte sie mehrfach an die Boulevardbühnen in München, Hamburg und Berlin. Und obwohl es bei den Komödien darauf ankommt, die Pointen zu setzen, erkannte Hansjörg Felmy ihr Talent und holte sie für die Bühnenadaption von John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ in einer ernsten Rolle nach Frankfurt.


So mühelos, wie sie im Künstlerischen durch die Welten wanderte, eine weitere Welt hat sie sich nicht mehr erobert – die digitale. Schade, diese hellwache, humorvolle Vollblutkünstlerin hätte auch noch eine späte Karriere dranhängen können.


So gleicht ihr Leben dem Motto ihrer Bühnenshow: „Heidi Stroh, mal so mal so!“


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