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Jean-Paul Belmondo ist tot – und hinterlässt auch an der Côte d’Azur viele Spuren

Jean-Paul Belmondo ist gestern im Alter von 88 Jahren in Paris gestorben. Der französische Filmstar, der sich viel an der Côte d’Azur aufgehalten hat, spielte mit Kollegen wie Romy Schneider, Alain Delon und Catherine Deneuve und avancierte zum erfolgreichen Darsteller in Actionfilmen und zu einem der größten Stars des europäischen Kinos. Im Laufe seiner Karriere drehte er über 80 Filme und spielte mehr als 40 Theaterrollen.


Jean-Paul Belmondo mit Jeanne Moreau 1960 beim Filmfestival in Cannes © Traverso

In Südfrankreich wie europaweit ist die Anteilnahme am Tod des international verehrten Schauspielers enorm. In Cannes und Nizza etwa war Belmondo ein häufiger und gern gesehener Gast. In Cannes, schreibt Bürgermeister David Lisnard in einem Communiqué zu dessen Tod, sei er immer wieder zu Besuch gewesen und mochte dort den Sandstrand noch lieber als den roten Teppich während des Filmfestivals – dessen Plakat er übrigens im Jahr 2018 zierte.


„Belmondo war eine ewige neue Welle von Elan und Charisma. Ein präziser, aber niemals aufdringlicher Schauspieler, strahlend und niemals gefühlsduselig, talentiert und niemals überheblich“, so David Lisnard.

Amtskollege Christian Estrosi aus Nizza schließt sich der Eloge an den Filmstar an, der wie kein anderer „ein bestimmtes Ideal des französischen Helden“ verkörpere: „Jean-Paul Belmondo war viel mehr als ein populärer Schauspieler, viel mehr als ein Star. Er war ein Symbol, eine Ikone des Kinos, die es verstand, diesen Status einzunehmen, ohne jemals unzugänglich oder zu anspruchsvoll zu wirken. (…) Die Stadt Nizza, die Côte d’Azur und ihre Bewohner werden ihm, der häufig zu Dreharbeiten hier war und gerne seine Ferien hier verbrachte, ein besonderes Andenken bewahren.“


Seit einem Schlaganfall 2001 war der Filmstar körperlich geschwächt. 2008 erschien sein letzter Film „Ein Mann und sein Hund“. „Er war seit einiger Zeit sehr müde“, sagte sein Anwalt. „Er ist friedlich gestorben.“


Durchbruch in den 1950er-Jahren


Belmondo feierte seinen Durchbruch als Schauspieler in den 1950er-Jahren in der französischen Nouvelle Vague. Berühmt wurde er durch seine Rolle in Jean-Luc Godards „Außer Atem“ an der Seite von Jean Seberg.

Danach konnte sich Belmondo vor Rollenangeboten kaum retten. Allein zwischen 1960 und 1964 spielte er in fast 30 Filmen mit. Mitte der Sechziger wurde er durch den Streifen „Abenteuer in Rio“ einem internationalen Publikum bekannt.


Von seinen französischen Fans wurde Belmondo "Bébel" genannt. In zahlreichen Werken spielte er Draufgänger und Gangster. In den 60er-Jahren galt er als Symbol für Rebellion und Anarchismus. Er war Teil einer neuen Generation von Filmstars, die keine schönen Helden mehr waren.


Geboren wurde Belmondo am 9. April 1933 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine. Sein Vater Paul, dessen Familie aus Sizilien stammte, war ein bekannter Bildhauer. Seiner Mutter eine Tänzerin. Als Kind galt Jean-Paul als besonders undiszipliniert. Er wechselte mehrmals die Schule und entdeckte als Gymnasiast den Boxsport. Er bestritt mehrere Kämpfe, bevor er sich dazu entschloss, Schauspieler zu werden.



Belmondos Côte d’Azur-Chronik


Jean-Paul Belmondo und Anna Karina auf dem offiziellen Plakat des «Festival de Cannes» von 2018 ©Festival de Cannes

Welche Rolle Südfrankreich in seinem Leben gespielt hat, lässt sich an dieser kleinen Chronik aus Archivbildern der Lokalpresse ablesen: Das Spektrum reicht von seinem allerersten Auftritt bei den Filmfestspielen in Cannes 1960 bis zu seinem letzten Auftritt in der Altstadt von Antibes im vergangenen Jahr.

Im März 1960 kommt "Atemlos" in die Kinos. Belmondo, damals noch unbekannt, wird über Nacht zum Star. Zwei Monate später steht er zum ersten Mal an der Croisette. Bei den Festspielen wird "Moderato cantabile" gezeigt, in dem er mit Jeanne Moreau spielt.

1964 ist "Bébel" erneut an der Croisette. Diesmal mit dem Film "Hunderttausend Dollar in der Sonne" von Henri Verneuil neben Andrea Parisy und Lino Ventura.

1976 trifft er sich mit Johnny Hallyday in Monaco, 1977 ist er in Saint-Paul-de-Vence.

In den 1980er-Jahren erreicht die Ära Belmondo ihren Höhepunkt. "Bébel" ist überall zu sehen: im Haus von René Château in Saint-Tropez (1981), im Club 55 am Strand von Pampelonne (1983), im Oetker-Hotel "Eden Roc" am Cap d’Antibes (1985), beim Zirkusfestival in Monte-Carlo (1988), wo die Zirkusszenen für "Reiseplan eines verwöhnten Kindes" gedreht werden.

In den 90er-Jahren wird es ruhiger um ihn. Im Fernsehen laufen viele Wiederholungen. Auf der Leinwand ist er seltener zu sehen, dafür wieder öfter auf Theaterbühnen, die er seit Ende der 1950er-Jahre gemieden hatte.

Im Sommer 1996 ist er wieder in Saint-Tropez, 2003 mit Luiz Fernandez im Ray-Stadion beim Fußballspiel Nizza – PSG.

Ab 2010 wird die "Dämmerung des Giganten" (Nice-matin) deutlicher. Belmondo ist geschwächt und dreht keine Filme mehr, besucht aber weiterhin treue Freunde in den Alpes-Maritimes und im Var. 2011 erscheint er noch einmal auf dem Roten Teppich von Cannes. 2013 kommt er zur Beisetzung seines Gefährten Georg Lautner nach Nizza. Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte fand 2020 mit Richard Anconina im Mamo in Antibes statt.



Jean-Paul Belmondo am Set von "Tendre Voyou" in Nizza (1966) © Charles Bébert

Kondolenzbuch in Nizza, wo Belmondo aktuell eine Foto-Ausstellung gewidmet ist


Seit heute früh um 10 Uhr liegt am Rande der Ausstellung "De Bébel à Bébert...", die seit Juli und nun noch bis zum 19. September auf der Place Pierre Gautier zu sehen ist, ein Kondolenzbuch aus. Die Foto-Ausstellung illustriert die besondere Beziehung, die der Fotograf Charles Bébert zu seinem Freund Jean-Paul Belmondo – „Bébel“ – aufbauen konnte, mit Fotos des Schauspielers bei seinen Dreharbeiten in Nizza zwischen 1964 und 1984.


R.L./AS


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