Suche
  • RivieraZeit editorial

Massentourismus im Mercantour – Parkverwaltung sieht Gefahr für Flora und Fauna

Aktualisiert: Juni 10

Raus aus dem Haus, wegfahren, aber dabei seinen Abstand wahren? – So manch einer entdeckte im letzten Jahr die Natur als Erholungsort neu für sich. Einen Anstieg an Besuchern von 10 bis 30 Prozent verzeichnete so auch der Mecantour-Nationalpark im Hinterland von Nizza 2020. Eine Entwicklung, die bei der Parkverwaltung allerdings eher für Sorgenfalten als Freude sorgt, denn sie gefährdet die streng geschützte Tier- und Pflanzenwelt.

Der See lac d'Allos, beliebtes Ziel im Mercantour. Foto: Philippe Kurlapski, CC BY 2.5 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.5> / Wikimedia Commons

Besonders die Hauptattraktionen des Parks, unter anderem mit dem lac d’Allos, dem Boréon, dem Tal Gordolasque und dem Vallée des Merveilles, verzeichneten Besucherspitzen von bis zu 1200 Gästen pro Tag am lac d‘Allos. Und die Menschen kommen nicht allein: mit dabei haben sie Lautsprecher, Lagerfeuer, Campingausrüstung, Hunde, Lärm und Müll. „Wir wollen unsere wilde Seite behalten“, sagt Paul Burro, Bürgermeister von Belvédère, zu Nice Matin. Der Nationalpark und dessen empfindliche Flora und Fauna seien für den Massentourismus nicht geeignet.


Für die Zukunft, angefangen mit diesem Sommer, wollen die Verantwortlichen deshalb mehrere Lösungsansätze ausprobieren, um den Tourismus zu entzerren und besser mit der Natur in Einklang zu bringen. Zusammen mit dem Navigationssystemanbieter Waze und dem Regionalkomitee für Tourismus ist für die Sommermonate Juli und August eine Warnung per GPS geplant, wenn auf dem Weg zum lac d’Allos zu viel Verkehr herrscht. Wanderer und Ausflüglerinnen sollen so ermutigt werden, ihr Auto im Dorf stehen zu lassen oder sich ein alternatives Tagesziel zu suchen. Um den See und das Gelände zu erhalten, sei eine Höchstanzahl von 750 Personen pro Tag zulässig.


Zudem sollen die Partner des Parks mit Kampagnen Besucher und Besucherinnen auf die Problematik aufmerksam machen und das richtige Verhalten in der Natur vermitteln. Darunter zählt: keinen Lärm machen, auf den Wegen bleiben, keine Wildtiere stören usw. Als zusätzlicher Anreiz wurde im Var-Tal, im Gebiet des Cayolle-Passes, ein „Quiet’attitude“-Pfad eingerichtet, der diese Werte in Erinnerung rufen soll.


Felszeichnungen im Vallée des Merveilles. Foto: Helac, CC BY 1.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/1.0> / Wikimedia Commons

Paul Burro schlägt für das traditionell stark frequentierte Gordolasque-Gebiet die Einrichtung eines Shuttle-Services vor, der seine Gäste mehrmals täglich in die Natur und wieder zurückbringen soll. So würde das Verkehrsaufkommen auf der engen und kurvigen Straße hinein ins Tal entspannt. Verbote sind nicht geplant, vielmehr sollen gute Alternativen Abhilfe schaffen. In diesem Sommer wird sich Burros Ansatz aber wahrscheinlich nicht mehr umsetzen lassen. Die Verwaltung der dazugehörigen Métropole argumentiert mit den hohen Kosten und dem Arbeitsaufwand, den Shuttle einzurichten und einen Parkplatz zu bauen. Dies sei zumindest in diesem Sommer nicht mehr realisierbar.


So wird die Parkverwaltung und mit ihr die empfindliche Flora und Fauna wohl in diesem Jahr noch hauptsächlich auf die Vernunft und Rücksicht ihrer naturbegeisterten Gäste hoffen müssen.


Kampagne auch für den Naturpark Préalpes d’Azur


Auch die Verwaltung des regionalen Naturparks Préalpes d’Azur beginnend hinter Grasse sieht sich im Spannungsfeld, einen Erholungsort zu bieten und zeitgleich Natur und Lebensraum zu schützen. Besonders problematisch sind auch hier wildes Parken in großer Zahl, Lärm durch Menschen und Tiere und zurückgelassener Müll. Die Kommunikationskampagne "Préalpes d'azur, j'aime, j'en prends soin", die sich der Aufteilung des Lebensraumes zwischen Mensch und Natur sowie dem Erhalt der Umwelt widmet, soll die Wichtigkeit des Themas in den Köpfen der Menschen verankern.


SL

59 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen