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Mode aus Grasse: Haute Couture in der Altstadt

Die Parfümstadt Grasse zieht immer mehr Studiengänge an. Zur „Nase“ kann man sich längst ausbilden lassen, zum Chemiker oder zum Ingenieur. Seit vergangenem Herbst gibt es sogar eine Modeschule – und passend dazu wurde jetzt ein eigener Concept Store mitten in der Altstadt eröffnet. Eine Begegnung mit Modemacher Denis Durand und seinem Team.


Eröffnung des Concept Stores in Grasse mit Modemacher Denis Durand (2.v.r.) und Bürgermeister Jérôme Viaud (M.). Foto: A.M. Sordi

Der offizielle Akt dauert nur Sekunden – dann ist der Mietvertrag für die winzig kleine Mode-Boutique in uraltem Gemäuer mitten im historischen Zentrum von Grasse unterzeichnet. Es ist ein Deal mit der Stadt: Der Bürgermeister will die Innenstadt aufwerten. Der Concept Store für Mode und Design ist einer von insgesamt 15 Läden, die in der Innenstadt in den nächsten Wochen neu eröffnen.


Auf den Kleiderbügeln längs der Wände hängen traumhafte Kleider aus feinen Stoffen, von extravagant bis zeitlos, von grellbunt bis schwarz, meist Einzelstücke. Keines jedenfalls existiert mehr als zweimal, wird uns versichert, die Schöpfer sind Modemacher Denis Durand und seine Schüler.


Seit vergangenem September gibt der alte Hase, der seit 30 Jahren opulente Kleider entwirft, unter Christian Lacroix gearbeitet hat und Promis wie Pamela Anderson und Adelige zwischen Dubai, Russland und Europa einkleidet, nun in der Parfümstadt sein Wissen weiter: In der „Denis Durand Académie“ arbeitet er Seite an Seite mit seinen Schülerinnen und Schülern und bringt ihnen vom Nähen bis zur Vermarktung über die sozialen Medien alles an Handwerkszeug bei, was ein erfolgreicher Modedesigner braucht.


"Das Wichtigste ist der Stoff"

„Für mich ist das Wichtigste der Stoff, wichtiger als der Schnitt“, so Denis Durand. „Was Sie hier sehen, findet man in der Prêt-à-porter-Mode nicht mehr“, erklärt er und deutet auf hochwertige Seide, schweren Brokat, oft made in Italy.



Bürgermeister Jérôme Viaud (l.) und Modedesigner Denis Durand unterzeichnen den Mietvertrag. Foto: A.Stöckmann

Bevor er Grasse für sich entdeckte, hatte der aus Lyon stammende Durand eine Boutique in Cannes. Wie zufällig fiel dann das Gründen der Modeschule in die Zeit von Corona. Für den Couturier eine Fügung des Schicksals: der passende Moment für den Beginn eines neuen Abenteuers, als Kunden wegen der Pandemie die Côte d’Azur nicht mehr ansteuerten.


Sechs Schülerinnen und Schüler sitzen in diesem ersten Jahr seit Gründung der Akademie rund um den schweren, quadratischen Werkstisch und lernen im zweijährigen Kursus von der Pike auf, was es heißt, ein besonderes Kleidungsstück zu kreieren. Eine von ihnen ist Marie-Laure Huche. Sie ist auch gleichzeitig die älteste: Nach einem halben Berufsleben als Buchhalterin und später Keramikerin erfindet sie sich noch einmal gänzlich neu.


„Ich lebe die Mode, von morgens bis abends“, sagt die 50-Jährige. Wenn etwas nicht so funktioniert, wie sie es gerne hätte, fließen auch schon mal Tränen. Sie sagt, sie profitiere vom Arbeiten im Team, allein kreativ zu sein, sei schwierig. Überzeugt ist sie vom umfassenden Ansatz der Schule; die Studenten entwerfen, schneidern, organisieren Modenschauen mit echten Models, lernen das Fotografieren. „Wir sind umgeben von Profis“, erklärt sie und träumt davon, irgendwann eines ihrer Kleider auf dem roten Teppich in Cannes zu sehen.


"Ich stelle mir den Laden als eine Art Factory vor"

Zwischen 150 und 450 Euro kosten die Roben, die ab sofort im Concept Store in der historischen Altstadt von Grasse zu kaufen sind. Für Abendkleider darf es auch noch etwas mehr sein. Parfum von Durand und Schmuck oder Accessoires von anderen Künstlern sollen das Sortiment bald ergänzen. „Ich stelle mir den Laden als eine Art Factory vor“, so Designer Denis Durand. Ein Treffpunkt für Kreative.


Die Akademie, in der die Schüler jeden Morgen zeichnen, zuschneiden und die Nähmaschinen rattern lassen, befindet sich gerade um die Ecke, in der Rue Tracastel. Neben einer unzugänglichen Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, die sich zwischen die Stadthäuser quetscht und in ihrem provenzalischen Barock einst ein prächtiges Bild abgegeben haben muss, befindet sich im ehemaligen Pensionnat Jeanne d’Arc unscheinbar der Eingang der Modeschule.

Eingang zur Modeschule (l.), Kreation von Denis Durand (M.), das Atelier. Fotos: AS


Gérald Liétard, Assistent des Modemachers und Mitgründer der Akademie, lässt uns ein und beruhigt den wartenden Hund. Zwei große Räume mit hohen Decken sind das Herz der noch jungen Schule. An den Wänden hängen riesige Fotos von pompös gekleideten Frauen, die in emblematischen Gebäuden der Côte d’Azur posieren. Perfekt ausgeleuchtet und in Szene gesetzt. Auf dem Boden stehen Kleiderständer, Spiegel und Bügelbretter, in Regalen liegen Stoffe, für jeden gibt’s eine Nähmaschine.


„Wir arbeiten wie in der Haute Couture. Wir bieten alles, was ein großes Haus auch hat – und sind dabei von familiärer Größe“, sagt Gérald Liétard. Credo der Gründer: Die Schüler müssen sich wohlfühlen. Und: „Nach zwei Jahren sollen sie alles wissen, was sie wissen müssen. Wir bringen ihnen die Technik bei – ihren Stil finden müssen sie selbst.“


Eine Ausbildung in der privaten Modeschule ist nicht ganz billig, 8500 Euro pro Schuljahr. Aber nach dem Abschluss, das verspricht das Leitungs-Duo, ist ein jeder Schüler bereit, sein eigenes Business zu starten.


Aila Stöckmann



Concept Store der „Denis Durand Académie“

17 Rue Marcel Journet

Grasse

www.denisdurandacademie.com

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