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Pinaults Zentrum zeitgenössischer Kunst ist fertig

Der einflussreiche französische Kunstsammler François Pinault, der der RIVIERAZEIT bereits 2016 aus Anlass seiner ersten großen Ausstellung in Deutschland im Essener Folkwangmuseum sein bisher größtes Projekt vorstellte, steht kurz vor dem Ziel seiner Wünsche: Am 22. Mai wird in der einstigen Bourse de Commerce im Herzen von Paris sein Zentrum zeitgenössischer Kunst eröffnet – mit dreijähriger Verspätung. Bis zum 24. Mai soll der Eintritt kostenlos sein.

Pinaults Museum « Bourse de Commerce — Pinault Collection » eröffnet in diesen Tagen in Paris. © Tadao Ando Architect & Associates, Niney et Marca Architectes, Agence Pierre-Antoine Gatier, Foto: Vladimir Partalo

Damit schlägt der 84-jährige Milliardär (Dior, Vuitton, Hennessy/Gucci, Yves Saint-Laurent, Christie’s) zwei Fliegen mit einer Klappe: Seine immense Kunstkollektion bekommt in der Hauptstadt den lang ersehnten repräsentativen Rahmen (Gesamtkosten: 160 Millionen Euro). Zudem zieht er mit seinem schärfsten Konkurrenten auf dem französischen Luxusgüter-Sektor gleich – mit Kunstmäzen Bernard Arnault (72), der mit Immobiliengeschäften an der Côte d’Azur den Grundstock seines märchenhaften Reichtums legte.


Längst sind Arnault und Pinault mit ihren Unternehmensgruppen nicht nur Kontrahenten auf dem französischen Luxusgüter-Sektor (LVHM und PPR). Sie versuchen sich auch als Sammler moderner Kunst gegenseitig zu übertrumpfen.

Innenansicht der Bourse de Commerce — Pinault Collection © Tadao Ando Architect & Associates, Niney et Marca Architectes, Agence Pierre-Antoine Gatier, Foto: Marc Domage

Zuletzt hatte Arnault (geschätztes Vermögen 37 Milliarden US-Dollar) seinem ärmeren Rivalen (15 Milliarden) den Rang abgelaufen. Er baute und eröffnete 2015 im Bois de Boulogne, also ebenfalls mitten in Paris, das Vuittonmuseum, während Pinault bei seinen Plänen, in der Metropole mit einem eigenen Standort Fuß zu fassen, noch mit der Bürokratie haderte. Daraufhin hatte sich letzterer mit dem Kauf des Palazzo Grassi (von Fiat), der Punta della Dogana und des Teatrino in Venedig "gerächt", ohne bei seinen Hauptstadtplänen locker zu lassen. Schließlich erwarb er in Erbpacht die Bourse, einen Rundbau aus dem 19. Jahrhundert, den der japanische Architekt Tadao Ando (zur Aufwertung des Terrains der abgerissenen "Les Halles") dann umbaute. Die Eröffnung der Bourse de Commerce — Pinault Collection, die zwischen Louvre und Centre Pompidou liegt, war zunächst für Ende 2018 vorgesehen. Der Wert seiner über 3000 Werke umfassenden Sammlung wird auf 1,4 Milliarden Dollar geschätzt.

Laut Pinault umschließt das Pariser Gebäude 13.000 Quadratmeter, wovon 7700 öffentlich zugänglich sind. Die reine Ausstellungsfläche umfasst nach Angaben von Ando 3000 Quadratmeter.


Der Generaldirektor der Pinault-Museen, der aus Lyon stammende Martin Bethenod, soll auch in der Pariser Bourse den Laden schmießen. Foto: Rolf Liffers

"Art Lovers" in Monaco


Museumsgeneraldirektor Martin Bethenod (55), der in Venedig und demnächst auch in Paris die Pinault-Projekte leitet, hatte vor sieben Jahren in Monaco mit der Ausstellung „Art-Lovers“ Aufsehen erregt.

Den Grundstein zu seiner immensen Kunstsammlung hatte Pinault übrigens vor seinem Mitwettbewerber Arnault gelegt: 1990 kaufte er in New York für acht Millionen Euro einen Mondrian, den er später für den dreifachen Preis weiterveräußerte. Geschmacklich sind Pinault und Arnault nicht weit auseinander. Beide leisten sich die teuersten Gegenwartskünstler – darunter Basquiat, Jeff Koons, Damien Hirst, Helmut Newton, Charles Ray, Cindy Sherman – und treiben damit ganz nebenbei die Preise in die Höhe.

Die PPR-Konzernleitung hat der Patriarch übrigens inzwischen auf seinen Sohn François-Henri Pinault (58) übertragen, der mit der Schauspielerin Salma Hayek (58) verheiratet ist, die 2015 zuletzt auf dem roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes zu bewundern war.

Rolf Liffers

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