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  • RivieraZeit editorial

Seepferdchen vor der Küste Monacos: Expedition zu den Tänzern des Mittelmeeres

Sie scheinen nichts vom Medienrummel zu merken, der das gläserne Becken im Ozeanographischen Museum Monacos umringt. Ganz ruhig treiben sie im Wasser, mit ihren urzeitlich anmutenden Rüsseln, den schlanken, dunklen Körpern und den geschwungenen Rümpfen. Mit gerade mal 12 bis 16 Zentimetern sind sie eine echte Besonderheit: Hippocampi guttulati, aus dem Mittelmeer stammende gefleckte Seepferdchen. Und es steht ihnen ein großer Schritt bevor: Sie sollen die Auffangstation des Centre monégasque de soins des espèces marines (CNSEM) nach monatelanger Aufzucht und Begleitung wieder verlassen, wieder zurück ins heimische Gewässer vor der Küste Monacos.


Seepferdchen
Männliches Seepferdchen im "Centre monégasque de soins des espèces marines" (CNSEM) im Ozeanographischen Museum © P. Pacorel - Institut océanographique Monaco

Doch das ist nicht selbstverständlich: Seepferdchen zählen auf der ganzen Welt, und ganz besonders im Mittelmeer zu stark gefährdeten Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Die wenigen Exemplare, die sich noch finden lassen, werden durch menschliche Einwirkungen immer weiter vertrieben. Um genau dem entgegenzuwirken und mehr über die Tänzer der Meereswelt herauszufinden, hat das Institut océanographique gemeinsam mit der Organisation BIOTOPE und der Umweltstiftung des Fürsten Fondation Prince Albert II eine Studie rund um die Hippocampi ins Leben gerufen. Das Team um Patrick Louisy, wissenschaftlicher Leiter der Seepferdchen-Expedition, möchte die geheimnisvollen Bewohner des Mittelmeeres genauer untersuchen und Strategien zum besseren Artenschutz entwickeln.


Meister der Camouflage in 20 Metern Tiefe


Das Projekt bewegt sich zwischen Observation und Conversation, es sollen Verhalten und Lebensräume beobachtet, erforscht und bewahrt werden. Um stichhaltige Ergebnisse zu erhalten, mussten jedoch erst einmal Tauchanzüge und Atemmasken angelegt werden: Zwischen Juni und September 2020 haben ehrenamtliche Taucher in 160 Tauchstunden vor dem Fürstentum Ausschau nach den Tieren gehalten. Mit ihrer hell- bis dunkelbraunen Haut, den markanten farblich abgesetzten Ringen und den gesprenkelten Flecken am schmalen Körper sind die Mittelmeer-Seepferdchen echte Meister der Camouflage. Nach einiger Suche wurden schließlich in rund 20 Metern Meerestiefe knapp vor der Küste Monacos drei Rüsseltierchen ausfindig gemacht, eingefangen und in die Becken des Ozeanographischen Instituts gebracht.


Vom Einfangen vor Monaco über die Untersuchungen im Ozeanographischen Institut bis zur Wiederauswilderung vor dem Fürstentum, persönlich begleitet von Fürst Albert II.

Fotos: © M. Dagnino + F. Pacorel + P. Fitte - Institut océanographique sowie © Eric Mathon - Palais princier



Eine Seepferdchen-Geburt in Gefangenschaft


Was Taucher wie Forscher nicht erwartet hatten, war das Geheimnis, das ein Seepferdchen in sich trug: Das trächtige Männchen ließ die Wissenschaftler des Ozeanographischen Zentrums eine Seepferdchen-Geburt live miterleben. Und so waren es plötzlich sieben kleine Individuen, die nur wenige Meter von ihrem heimischen Gewässer entfernt hinter Glasscheiben beobachtet, aufgepäppelt und schließlich für ihre große Rückkehr ins Meer vorbereitet wurden.


Die große Rückkehr ins heimische Gewässer


Am späten Nachmittag des 16. Juni dieses Jahres war es dann schließlich so weit: Nach mehreren Monaten im Aquarium wurden die exotischen Meerestiere wieder in die Freiheit entlassen. Um Schäden in Reproduktionsprozessen zu verhindern, wurden nach einer genetischen Analyse und Erbgut-Abgleichung Männchen und Weibchen getrennt voneinander vor der Küste Monacos ausgesetzt. Auf der Seite des Roche St. Nicolas und vor der Kaimauer in Fontvieille tanzen nun bei ganz genauem Hinsehen in 20 Metern Tiefe kleine, gefleckte Lebewesen zwischen den Algen und Korallen. Und auch in Zukunft sollen die einzigartigen Meerestiere weiter geschützt werden. Durch moderne Foto-Erkennung und natürliche Merkmale können Wissenschaftler die Seepferdchen immer wieder identifizieren und weiter begleiten.


Sabrina Reitnauer



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