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Trotz ungleicher Qualifikationen: Doppelzulassung von Rechtsanwälten in Europa

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Rechtsanwältin Michaela Schreyer mit Kanzlei an der Côte d’Azur schreibt regelmäßig exklusiv für die RivieraZeit über Wissenswertes und Neues aus der Welt des Rechts – mit besonderem Blick auf die Unterschiede zwischen der französischen und der deutschen Rechtsprechung. Diesmal: die Niederlassungsfreiheit von Rechtsanwälten in Europa, die ihren Beruf ohne nachgewiesene Kenntnis des dortigen Rechts im Ausland ausüben können.


Rechtsanwältin Michaela Schreyer. Foto: Isabelle Schmitt

Aufgrund der europäischen Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit auch im Bereich der Rechtsberatung kann ein jeder im europäischen Ausland zugelassene Anwalt, ohne Prüfung und ohne Kenntnis des dortigen Rechts, in den europäischen Nachbarländern seinen Beruf ausüben. In der Tat, europäische Rechtsanwälte dürfen sich unter der Berufsbezeichnung ihres Herkunftsstaates in eine europäische Liste eintragen und gelangen dann – nach einer mindestens dreijährigen effektiven Tätigkeit in einem europäischen Land – auf die Liste der dortigen Rechtsanwälte, ohne in diesem Land diplomiert zu sein.


Dies bedeutet, dass die Qualifikation, die hinter dem Anwaltstitel (in Frankreich „Avocat“) steht, nicht unbedingt für alle Anwälte identisch ist. Es kann sich hier um einen ausländischen Anwalt handeln, der seine Zulassung in Frankreich als Avocat diesem System verdankt, ohne in Frankreich aber diplomiert zu sein.


Die Rechtsordnungen in den verschiedenen europäischen Ländern sind jedoch sehr unterschiedlich. Es ist strikt unmöglich, dass nach nur drei Jahren Tätigkeit eine identische Qualifikation mit einem in Frankreich diplomierten Anwalt oder einem Anwalt, der sich der Rechtsanwaltsbefähigungsprüfung des Landes gestellt hat, existiert. Oft werden deutsche Anwälte insbesondere für ihre Landsmänner in Frankreich tätig, als Spezialisten des französischen Rechts, ohne aber hier diplomiert zu sein. Die Mandanten sind sich dieser Problematik meist nicht bewusst. In der Tat wird die Doppelzulassung allgemein als Nachweis besonderer Rechtskunde in beiden Ländern gepriesen, was oft aber leider trügt.


Hinzu kommen die enormen kulturellen Unterschiede, die sich zu Fallstricken in der Kommunikation entwickeln können, denn auch hier reicht eine beschränkte Erfahrung von drei Jahren natürlich nicht aus, um sich in einem anderen System einzuarbeiten.


Dann gibt es auch noch diejenigen, die sich im Zuge der europäischen Niederlassungsfreiheit, auch ohne jedwede Zulassung in Frankreich, als Spezialist des französischen Rechts in deutscher Sprache ausgeben und Rechtsberatungen in Frankreich in deutscher Sprache anbieten.


Der Rechtssuchende sollte sich immer die Frage stellen, über welche Kompetenzen sein Anwalt tatsächlich verfügt, um im französischen Rechtssystem tätig zu werden. Es ist sicherlich ratsam zu prüfen, ob eine Zulassung in Frankreich existiert und gegebenenfalls, wie diese erworben wurde – ob durch die Rechtsanwaltsbefähigungsprüfung („certificat d’aptitude à la profession d’avocat“) oder im Zuge der Niederlassungsfreiheit und des dreijährigen Eintrags auf der europäischen Liste.


Die Zulassung jedes Anwaltes in Europa und das Land der Zulassung kann über diesen Link geprüft werden. Es genügt, den Namen und ggf. den Ort einzugeben.


In unserer Kanzlei werden Sie ausschließlich von in Frankreich diplomierten Anwälten in deutscher Sprache beraten.


Maître Michaela Schreyer 6 avenue Cyrille Besset Le Virginia II F-06800 Cagnes-sur-Mer Tel. +33 (0)4 92 02 33 41, +33 (0)4 93 22 90 35 info@mcsavocats.com

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