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Vendée Globe: stürmischer Empfang für letzten Segler

SPORT

Ein Finne, der sich Zeit gelassen hat – 36 Tage nach dem Sieger Yannick Bestaven kreuzte Ari Huusela am vergangenen Freitag nach 116 Tagen und 18 Stunden die Ziellinie des Solo-Einhand-Wettbewerbs vor Les Sables-d’Olonne. Empfangen wurde der Letzte der nur alle vier Jahre ausgetragenen Regatta dennoch wie ein Sieger: Die finnische Fahne war gehisst worden auf der Burg am Hafen, Menschen säumten die Straßen, die Einwohner des Städtchens an der französischen Atlantikküste strömten wie für jeden einlaufenden Segler der Vendée Globe an den Kanal.



“Ich bin stolz und glücklich. Ihr dürft nicht vergessen, dass ich immer noch Flugzeugpilot und nur Hobby-Segler bin”, sagte der Finne nach seiner Ankunft mehr als einen Monat nach der Zieleinfahrt des Siegers.


Was treibt einen Segler zur Teilnahme am härtesten Segelwettbewerb der Welt? Es ist die Reise zum eigenen Ich, der Wille, Extremsituationen zu bewältigen, und das Vertrauen in sich selbst, es zu schaffen. Als Flugkapitän hat der 58-jährige Ari Huusela 50.000 Stunden im Cockpit verbracht und als Segler 25.000 Meilen im Kielwasser. Nun sind es 29.122 Seemeilen mehr.



Der Finne war als einziger Amateursegler ins Rennen gegangen und hatte mit vielen Extremen zu kämpfen. Erst kurz vor dem Rennstart konnte eine Versicherung für das Schiff noch bezahlt werden – immerhin 175.000 Euro Selbstbehalt hätte er im Schadensfall tragen müssen. Dies mag auch erklären, dass er nicht jedes seglerische Risiko einging.


Gleichwohl hat Ari Huusela bereits zu Beginn des Rennens erfahren müssen, das nicht alles beherrschbar ist, als der Mast seiner Yacht “Stark” in der Biskaya das Wasser berührte. Momente, in denen jeder auch eine kleine Lebensbilanz zieht…


Aber auch hier zeigt sich wieder, dass es nicht reicht, ein erfahrener Segler mit einem guten Schiff zu sein. Die Persönlichkeit muss in der Lage sein, mit den Extremsituationen umzugehen, zu der auch seine fast 4-monatige Einsamkeit an Bord gehörte und das Wissen, dass in Grenzsituationen jede Hilfe zu spät kommen könnte.


In Finnland ist Ari Huusela als erster finnischer Vendée Globe Finisher ein Volksheld. Ähnlich wie die Deutschen nach Boris Herrmanns spektakulärem fünften Rang freuen sich die Finnen nun über „ihren“ ganz speziellen Sieger.


Die Côte d’Azur war übrigens durch eine Frau vertreten – Alexia Barrier, die erst zehnte „Finisherin“ aller Zeiten.


Die Chronistenpflicht gebietet es,den Hinweis zu geben, dass sich nun der Vorhang der neunten Vendée Globe senkt. Fans in aller Welt werden mit den Bildern dieses phantastischen Rennens, den Geschichten, die nicht nur den Seglern in Erinnerung bleiben, auf die Fortsetzung warten – leider erst in vier Jahren.

Hermann Geerken



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