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Vier Sterne aufwärts: Offensive der Luxushotellerie in Nizza

Es klingt paradox. Wir stecken noch in der Pandemie, Touristen sind verunsichert. Die Hotellerie klagt dementsprechend – und baut gleichzeitig, fast frenetisch. 2500 neue Hotelbetten werden allein für Nizza angekündigt, insgesamt 3000 für die Metropole Nizza-Côte d’Azur. Und das fast ausschließlich im Luxussegment, also vier Sterne aufwärts. Das meiste befindet sich bereits im Bau.


Von Jörg Langer


Nizza, Baie des Anges, Promenade des Anglais, Altstadt
Nizzas Stadtbild soll wieder an die prunkvollen Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg anknüpfen. Foto: Pixabay

Zufall oder Planung? Natürlich Planung, die zum Teil durch den Weltkulturerbe-Antrag der Stadt Nizza gefördert wurde. Seinerzeit mit Risiken, denn die in diesem Jahr tatsächlich erfolgte Auszeichnung war keinesfalls selbstverständlich. Von Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi vor einem Jahrzehnt angedacht und dann sehr geschickt betrieben, u.a. mit dem Engagement eines Ex-Kulturministers, kann er sich zum bedeutendsten Baumeister der Stadt nach Jacques Médecin krönen lassen – mit dem Unterschied, dass sein Vorgänger leider auch Klassisches beseitigte, etwa das alte Hotel Ruhl, jetzt Méridien, und viel Hässliches baute, zum Beispiel den von Estrosi abgerissenen Busbahnhof mitten in der Stadt.


Estrosi will dagegen auch Altes bewahren. Nicht umsonst preist das Weltkulturerbe weder das Stadtbild, die Altstadt oder die Promenade des Anglais, sondern den Auf- und Ausbau des Wintererholungsortes Nizza zwischen 1760 und 1939, mit den entsprechenden Bauwerken, Hotels, Palästen und Villen.


Und hier setzt die Hotellerie der Gegenwart an: Man will gezielt wieder wie einst die «Schönen und die Reichen» in die Stadt holen, als Nachfolger der europäischen Aristokratie der eineinhalb Jahrhunderte vor dem Ersten Weltkrieg, also der Russen, Engländer, Italiener, Österreicher und Deutschen. Ganz bewusst werden traditionelle Hotels renoviert, vielfach auch völlig entkernt, um die alten Fassaden zu erhalten. Die Neubauten entstehen dagegen eher in der Nähe des Flughafens und des zukünftigen Kongresszentrums sowie ein extrem futuristischer Neubau am Hauptbahnhof.


Die Klassiker


Das alte «Plaza», Avenue de Verdun, ein paar Schritte von der Place Masséna im Herzen der Stadt, wird zum «Anantara Plaza» mit 36 Suiten und 115 Zimmern, einer Terrasse über die gesamte Länge und natürlich mit Restaurants und Rooftop-Bar. Selbstverständlich sind alle modernen Fitness- und Wellnesseinrichtungen vorgesehen.


Einige Meter weiter, Avenue de Suède, entsteht um und auf dem alten Park-Hotel das neue 5-Sterne-Hotel «Park Avenue Nice» mit 140 Zimmern und Suiten, natürlich den feinsten modernen Einrichtungen, Rooftop mit Pool sowie einer Galerie mit 14 Luxusboutiquen, die bislang noch nicht in Nizza repräsentiert sind. Nur die klassische Fassade bleibt erhalten. Eigentümer ist die belgische Gruppe «City Mall».


Animation zum im Bau befindlichen Hotel "Park Avenue Nice"



Ehemaliges Kloster


Nun ein großer Sprung zum östlichen Ende der Altstadt, Rue des Serruriers. Hier wird trotz heftiger Proteste der Anwohner in aller Enge das ehemalige Kloster «Couvent de la Visitation» aus dem 17. Jahrhundert in ein Hotel umgewandelt («Hôtel du Couvent»), ebenfalls 5 Sterne. Dazu werden römische Thermen mit Schwimmbad und Spa wieder in Betrieb gesetzt, ein Dokumentationszentrum der «Ecole de Nice» eingerichtet sowie ein Markt für lokale Produkte. Alles gewiss sehenswert.


So sah das ehemalige Kloster unterhalb des Schloss-Berges in Nizzas Altstadt zuletzt aus. Fotos: Ville de Nice



Futuristisch bis nüchtern


Das futuristische «Hilton Garden» direkt neben dem Hauptbahnhof wurde schon erwähnt. «Nur» vier Sterne, 120 Zimmer, fünf Restaurants, eines auf dem Dach. Fertigstellung Beginn nächsten Jahres, inmitten von Einkaufsstraßen und Büros. Es ist zu hoffen, dass das ansonsten etwas trostlose Bahnhofsviertel damit erheblich aufgewertet wird.


Im futuristischen "Iconic"-Gebäude neben dem Hauptbahnhof bezieht das "Hilton Garden" Quartier. Fotomontage: Ville de Nice

Ebenso wie zu hoffen ist, dass das Kalkül mit der zahlungskräftigen Kundschaft aufgeht, sicherlich gestützt durch die Attraktion als Weltkulturerbe-Stadt. Die Geschäftskundschaft dürfte eher in der Nähe des Flugplatzes und des Messezentrums bleiben, mit zahlreichen sehr nüchternen Neubauten aller Klassen. Nur das «Sheraton» an der «Prom’» fällt durch einen eigenartigen Rund-Vorbau aus der Reihe.

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