Suche
  • astoeckmann

„Winterkurort“ Nizza ist Unesco-Weltkulturerbe

Fast zehn Jahre hat die Stadt darauf hingearbeitet – nun zählt Nizza zum Unesco-Weltkulturerbe. Gewürdigt wird mit der Entscheidung des Welterbe-Komitees das architektonische, landschaftliche und städtebauliche Erbe des Winterkurortes an der Côte d’Azur. Am Samstag wurde bei einem Festakt im Garten des Musée Masséna angemessen gefeiert.


Eine Riege internationaler Gäste wohnte den Feierlichkeiten im Garten des Musée Masséna bei. Foto: AS

Nizzas Aufstieg zur zweitgrößten und sicher hübschesten französischen Mittelmeer-Metropole begann Ende des 18. Jahrhunderts, als kränkelnde Reiche und Adlige aus ganz Europa die Stadt als heilsamen Aufenthaltsort während der Wintermonate für sich entdeckten. Maler und Schriftsteller folgten. Und so wuchs das erst seit 1860 endgültig zu Frankreich gehörende Nizza nach und heran zu einer wahren Schönheit.


Zwei Jahrhunderte Bautätigkeit hinterließen ein homogenes Stadtbild zwischen Meer und Bergen, sagte Bürgermeister Christian Estrosi bei seiner Rede zur Feier der Titel-Verleihung durch die Unesco. Weltbekannt und überall auf dem Globus kopiert natürlich die Promenade des Anglais, deren Name auf eben jene ersten Wintergäste vor langer Zeit anspielt.


Eine Stadt im Wandel


Und wer Nizza über die Jahre beobachtet hat, weiß auch, dass das Unesco-Prädikat noch vor 15 Jahren himmelweit entfernt gewesen wäre. Denn was hat diese Stadt sich in den letzten zehn, fünfzehn Jahren – ziemlich genau seit dem Amtsantritt von Bürgermeister Estrosi 2008 – verändert! Von der angeschmuddelten Großstadt mit fiesen Ecken und Bausünden zur wirklich prachtvollen Metropole, in der es grünt und blüht, in der sich ein Platz vorteilhafter als der nächste herausgeputzt hat und in der Lustwandeln auch dank eines neuen Verkehrskonzeptes zur wahren Freude geworden ist.


Zu den Feierlichkeiten am Samstag waren zahlreiche nationale und internationale Gäste erschienen, darunter auch die deutsche Generalkonsulin in Marseille, Clarissa Duvigneau.


Die Entscheidung der Unesco, Nizza in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen, war bereits am 27. Juli gefallen, und zwar einstimmig, wie Christian Estrosi an diesem Samstagabend im Garten des Musée Masséna betont. Damit gesellt sich die Mittelmeer-Metropole zu den bereits mehr als 40 Weltkulturerbe-Stätten in Frankreich – zu denen etwa das Seine-Ufer in Paris, die Kathedrale von Amiens oder der Mont-Saint-Michel in der Normandie zählen. Weltweit stehen auf der Liste des Unesco-Welterbes mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern.


Die Idee, so wird kolportiert, für Nizza eine Bewerbung einzureichen, geht auf den Bürgermeister persönlich zurück. Seit 2012 arbeitete ein Team unter dem ehemaligen Kulturminister Jean-Jacques Aillagon an der Verwirklichung des Traums.


Bürgermeister Christian Estrosi bei seiner Rede. © Ville de Nice

Friedens-Mission


Sein Ziel nun erreicht zu haben, bedeute für Estrosi auch, die globale Vielfalt der Kulturen und des kulturellen Erbes anzuerkennen – was ein wesentlicher Schritt zum Frieden sei. „Und Nizza wird mit allen Kräften zu diesem Ziel beitragen.“


Weil gerade für Nizza Stillstand Rückschritt bedeutet, ist der nächste Plan für die Mittelmeermetropole bereits gefasst: Die Stadt will europäische Kulturhauptstadt 2028 werden.



Aila Stöckmann

186 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen