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  • RivieraZeit editorial

Yachtbesitzer protestieren lautstark gegen Anker-Beschränkungen

CÔTE D’AZUR


Ein minutenlanges ohrenbetäubendes Hupkonzert störte am Montag die nachmittägliche Gemächlichkeit am Port Vauban in Antibes. Der Anlass? Die Yachtbranche der Côte d’Azur ist sauer – und entschied sich, ihrem Unmut lautstark Gehör zu verschaffen.


Neptungras-Wiesen, Lebensraum zahlreicher Arten, werden von ankernden Yachten massiv beschädigt. Foto: Gronk, Posidonia, CC BY-SA 3.0

Der Grund dafür findet sich in einer Entscheidung der für den französischen Mittelmeerraum zuständigen Präfektur aus dem letzten Herbst: Das Ankern von Yachten und Booten über 24 Metern Länge zwischen Saint-Raphaël (Var) und der italienischen Grenze wird ab diesem Jahr stark reglementiert. Dazu kommen die massiven Auswirkungen der Coronakrise für die Branche. Ist das das Ende der unzähligen Yachten und Boote, die jedes Jahr im Sommer die Küstenlinie der Côte d’Azur säumen?



Umweltschutz vor Tourismus


Die Meeres-Präfektur begründet ihre Entscheidung mit dem Schutz und Erhalt der Umwelt und der Entlastung des Seeverkehrs in stark frequentierten Gebieten. Besonders die sogenannten Posidonia-Wiesen an der Côte d’Azur gelte es zu schützen. Die Posidonia – Neptungras – sind Unterwasserpflanzen, die auf dem Meeresboden zu großen Teppichen verwachsen und einen Lebensraum für viele Arten bilden. Beim Ankern reißen Yachten jeden Sommer große Löcher in die Unterwasserwiesen. Je länger die Boote, desto schwerer der Anker und desto größer auch die Schäden für Flora und Fauna im Meer. An der französischen Mittelmeerküste tummeln sich jede Saison geschätzt 1700 Boote von mehr als 24 Metern Länge, bevorzugt an der Côte d’Azur.


Die Präfektur hat die von Neptungräsern bewachsenen Flächen genau kartiert und auf dieser Grundlage Ankersperrzonen für Yachten über 24 Meter Länge festgelegt (auf 20 Meter zwischen Nizza und Menton). Kleinere Boote sind nicht betroffen. Bei Nichteinhaltung der Regelungen werden hohe Strafen von bis zu einem Jahr Haft und Geldstrafen bis zu 150.000 Euro fällig.


Eine Situation, die die hiesige Yacht-Industrie und die davon abhängigen Menschen nicht hinnehmen wollen. Die Maßnahmen seien unwirksam und unfair, der Schaden für die vielen Betroffenen immens. Gerade die Kapitäne der größeren Yachten seien ausgebildet und achteten auf den Schutz und die Gegebenheiten der Gewässer.


"Wir sind für die Ökologie und den Schutz des Neptungrases, aber dieses Dekret ist zweischneidig", sagte Stéphane Berger vom Europäischen Komitee der professionellen Yachtbranche ECPY im Gespräch mit France 3 Provence-Alpes-Côte d’Azur. Die Fachleute der Branche seien übergangen, das Dekret vorschnell und ohne Informationskampagne erlassen worden. Und gerade im Hinblick auf eine ohnehin schon wegen der Gesundheitskrise schwierigen Saison sende dies falsche Signale, gleichermaßen an Dienstleister als auch potenzielle Gäste.


In der Region, die normalerweise im Sommer bis zu 40 Prozent aller Yachten weltweit beherbergt, herrscht Sorge, dass Kundinnen und Kunden nun aufgrund geringerer Hürden in andere Länder wie Kroatien oder Griechenland abwandern. Dies wäre nicht nur eine Katastrophe für alle Beschäftigten der Yacht-Branche, sondern auch für die von ihr abhängigen Dienstleistungen wie beispielsweise Weinhändler, Mechanikerinnen, Masseure, Yogalehrerinnen und Restaurants, um nur einige zu nennen. Insgesamt betreffe das Dekret so mehrere Tausend Arbeitsplätze zumindest indirekt.


SL

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